Deutsch als Schlüssel zum Schulerfolg

Kultusminister Lorz informiert sich über die praktische Umsetzung des schulischen Gesamtsprachförderkonzepts.

SAM_0346.JPG

Vorlaufkurs an der Lindenschule Kriftel
Vorlaufkurs an der Lindenschule Kriftel, Grundschule des Main-Taunus-Kreises

Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz hat sich heute im Rahmen einer Informationsreise unter dem Motto „Deutsch ist der Schlüssel zum Schulerfolg“ über die praktische Umsetzung des Gesamtsprachförderkonzepts zur Beschulung von jungen Flüchtlingen und Zuwanderern informiert. Die Tour führte den Kultusminister  zu einem Vorlaufkurs an der Linden-Schule Kriftel (Grundschule), einer Intensivklasse an der Friedrich-Ebert-Schule Pfungstadt (Kooperative Gesamtschule), zum Aufnahme- und Beratungszentrum am Staatlichen Schulamt Offenbach und zu einer InteA-Klasse an der Adolf-Reichwein-Schule Limburg (Berufliche Schule). „Die Besuche haben uns gezeigt, dass Hessen konzeptionell und strukturell hervorragend aufgestellt ist“, erklärte Kultusminister Lorz. „Unser schulisches Gesamtsprachförderkonzept umfasst die Alterspanne von fünf bis zu 21 Jahren und bietet somit für jedes Kind, jeden Jugendlichen und jungen Erwachsenen das bestmögliche Förderangebot.“

 

Hessen kann bei der sprachlichen Förderung von jungen Flüchtlingen und Zuwanderern auf ein über viele Jahre hinweg etabliertes und bewährtes schulisches Gesamtsprachförderkonzept zurückgreifen, das stetig weiterentwickelt und den neuen Gegebenheiten angepasst wurde. Leitgedanke ist die bildungspolitische Grundüberzeugung, dass das Beherrschen der Bildungssprache der Schlüssel zum Schulerfolg und damit zu einer gelingenden Integration in die Gesellschaft ist. „Bildung ist der Motor einer erfolgreichen Integration. Daher bin ich froh und dankbar, dass Hessen bereits früh die entsprechende schulische Infrastruktur geschaffen hat, auf die wir nun aufbauen und sie den heutigen Bedürfnissen entsprechend anpassen können. So haben wir zum Start des laufenden Schuljahres 2015/16 unser schulisches Gesamtsprachförderkonzept um Intensivklassen an beruflichen Schulen für Jugendliche über 16 Jahren (InteA/ Integration und Abschluss) erweitert.
 

Ressourcen-Einsatz seit Schuljahresbeginn mehr als verdoppelt

Jedes Kind und jeder Jugendliche, das bzw. der als Flüchtling oder Zuwanderer nach Hessen gekommen ist oder noch kommen wird, erhält bei Bedarf eine entsprechende Sprachförderung. Aus diesem Grund weist das Kultusministerium jeden Monat und in Abhängigkeit der Schülerzahlen zusätzliche Lehrerstellen zu. So hat sich die Zahl der zugewiesenen Lehrerstellen in der Sprachförderung von 1.280 zu Schuljahresbeginn auf nun 1902 signifikant erhöht. Im Bereich der IntensivkIassen an allgemeinbildenden Schulen (von 307 auf 657) und an den beruflichen Schulen (von 150 auf 367) werden mit Stand Mai 2016 mehr als doppelt so viele Lehrerstellen für die Sprachförderung zugewiesen als zu Beginn des Schuljahres im September. Insgesamt gibt es derzeit an hessischen Schulen 861 Intensivklassen (399 zu Schuljahresbeginn) und 324 InteA-Klassen (129). „Wir geben den Schulen damit die Ressourcensicherheit, dass die für den Unterricht notwendigen Lehrerstellen regelmäßig jeden Monat dem tatsächlichen Bedarf entsprechend angepasst werden. Gerade dieser Aspekt wird in Rückmeldungen der Schulen als überaus positiv bewertet“, sagte Lorz. 

 

Erfolgsgeschichte Vorlaufkurs – Linden-Schule Kriftel

Erste Station der Informationsreise war die Linden-Schule in Kriftel, eine Grundschule des Main-Taunus-Kreises. Dort besuchte der Kultusminister einen Vorlaufkurs, der aktuell von neun Kindern besucht wird. Vorlaufkurse haben das Ziel, alle Kinder, die bei der Anmeldung zur Einschulung noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, so zu fördern, dass sie sich von Beginn an mit Lehrkräften und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern verständigen und dem Unterrichtsgeschehen folgen können. Die Kinder erhalten dabei zudem bereits zwölf Monate früher die Möglichkeit, sich frühzeitig an die Regeln und Gewohnheiten des Schulalltags zu gewöhnen. Vorlaufkurse sind freiwillig und beginnen jeweils zwölf Monate – also ein Schuljahr – vor der Einschulung. Seit ihrer Einführung im Jahr 1999 haben bis Mai 2016 mehr als 100.000 Kinder Vorlaufkurse im Jahr vor der Einschulung besucht. Allein im Schuljahr 2015/2016 waren es mehr als 9.500 Kinder. „Die Einführung der Vorlaufkurse vor 16 Jahren war goldrichtig und vorausschauend. Sie ist nicht nur zahlenmäßig eine Erfolgsgeschichte, sondern gibt uns auch die Gelegenheit, bereits im sehr jungen Alter die Sprachkompetenz als Schlüssel zum Schulerfolg effektiv zu fördern“, so Lorz.

 

Intensivklassen als wichtige Säule des Gesamtsprachförderkonzepts –  Friedrich-Ebert-Schule Pfungstadt

Von Kriftel aus führte die Fahrt den Kultusminister weiter zur Friedrich-Ebert-Schule in Pfungstadt, einer Kooperativen Gesamtschule des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Dort werden 35 junge Flüchtlinge und Zuwanderer in drei Intensivklassen die grundlegenden Kenntnisse der deutschen Sprache vermittelt. Intensivklassen richten sich an Neuankömmlinge, sogenannte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, im schulpflichtigen Alter ohne hinreichende Deutschkenntnisse. Im Rahmen der in Hessen geltenden Schulpflicht ist die Teilnahme verpflichtend. Ziel einer Intensivklasse ist es, die Schülerinnen und Schüler, die als Seiteneinsteiger ohne Deutschkenntnisse nach Hessen gekommen sind, soweit sprachlich zu fördern, dass sie nach einem Jahr über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um am Regelunterricht teilnehmen zu können. In einigen Unterrichtsfächern wie Musik oder Sportunterricht besteht zudem die Möglichkeit, bereits vorzeitig am normalen Unterricht teilzunehmen. „Mir ist wichtig, regelmäßig Intensivklassen in ganz Hessen zu besuchen. Sie sind eine vor dem Hintergrund der Flüchtlingsherausforderung immer wichtiger werdende Säule in unserem Gesamtsprachförderkonzept. Daher freut es mich umso mehr, wenn ich sehe, mit welchem Engagement und welcher Kompetenz sich die Friedrich-Ebert-Schule den großen Herausforderungen stellt“, so Lorz in Pfungstadt.

 

Aufnahme- und Beratungszentren an den Staatlichen Schulämtern als Steuerungsstelle und Qualitätssicherungsinstrument

Die Umsetzung des Gesamtsprachförderkonzepts an den Schulen kann nur dann gelingen, wenn gleichzeitig im Hintergrund eine effektive und gut funktionierende Koordination, Verteilung und schulfachliche Beratung der vielen Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger erfolgt. Und genau diese Aufgabe übernehmen die sogenannten Aufnahme- und Beratungszentren (ABZ), die an den Staatlichen Schulämtern (SSÄ) angesiedelt sind. Sie beraten, koordinieren und verteilen die Zuwanderer und Flüchtlinge nach der Zuweisung in eine Gebietskörperschaft entsprechend ihres Alters und ihrer sprachlichen Vorkenntnisse auf die jeweils passenden Schulen. Um diese Aufgabe noch besser leisten zu können, wurden hessenweit mehr als 25 Stellen in den Staatlichen Schulämtern neu geschaffen. „Die überaus wichtige Arbeit der Aufnahme- und Beratungszentren geschieht meist unbemerkt von der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund war es mir umso mehr ein besonderes Anliegen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Offenbach und in allen anderen ABZ in Hessen für ihre wertvolle und engagierte Arbeit zu danken“, sagte Lorz während seines Besuches im ABZ.

 

InteA: Sprachlicher Türöffner fürs Berufsleben – Adolf-Reichwein-Schule Limburg

Letzte Station auf der Reise durch Hessen war die Adolf-Reichwein-Schule Limburg, eine Berufliche Schule des Landeskreises Limburg-Weilburg. Die Schule ist eine sogenannte Schwerpunktschule im Rahmen des InteA-Programms (Integration und Abschluss), an der aktuell 116 Schülerinnen und Schüler in sechs InteA-Klassen unterrichtet werden. InteA ist ein wesentlicher Bestandteil des hessischen Gesamtsprachförderkonzepts, das an den beruflichen Schulen angesiedelt und zum aktuell laufenden Schuljahr gestartet ist. Ins Leben gerufen wurde der Baustein für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger ab 16 Jahren bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres (Eintrittsalter) mit dem Ziel, ihnen grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache in Verbindung mit einem beruflichen Fachsprachenerwerb zu vermitteln und somit den Übergang in eine Berufsausbildung oder den Wechsel in einen anderen Bildungsgang zu ermöglichen und zu erleichtern. Die Förderung dauert in der Regel bis zu zwei Jahre. Nach einem Rundgang durch die Schule fasste der Kultusminister seine Eindrücke zusammen: „InteA ermöglicht es uns, Flüchtlingen und Zuwanderern ab 16 Jahren auf dem Weg in unsere Gesellschaft und in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt umfassend zu unterstützen und somit auch einen guten Einstieg in eine duale Ausbildung zu ermöglichen. Auch hier ist der Aspekt der Sprache besonders wichtig, da nur so auch eine langfristige erfolgreiche berufliche Perspektive geschaffen werden kann.“

 

Ausblick: Praxisbeirat – zusätzliche regionale Fortbildungs- und Sachmittel – Alphabetisierungsklassen an den InteA-Schwerpunktschulen

„Ressourcensicherheit und Kompetenzstärkung der Lehrkräfte sind zentrale Eckpfeiler unserer Politik. Sie gewährleisten, dass unser schulisches Gesamtsprachförderkonzept bestmöglich aufgestellt ist. Wir sind froh über das bisher Erreichte, wissen aber auch, dass wir noch große Aufgaben vor uns haben. Wir werden unseren bisherigen Weg fortsetzen und uns nicht ausruhen und weiterhin auf Erfahrungen und Anregungen vor Ort setzen“, so Lorz zum Abschluss seiner Rundreise durch Hessen.

 

Um auch in Zukunft den Herausforderungen gerecht zu werden, wird das Sprachförderkonzept permanent weiterentwickelt und angepasst. Neben den zusätzlichen monatlichen Zuweisungen und der daraus resultierenden Ressourcensicherheit, wird zum kommenden Schuljahr ein „Praxisbeirat zur schulischen Integration“ eingerichtet, der sich aus Schulleitern, der Schulaufsicht, den Schulträgern, Vertretern der Lehrkräfteakademie, dem Hauptpersonalrat sowie Eltern- und Schülervertretung zusammensetzt. Er hat die Aufgabe, Impulse aus der Praxis aufzugreifen und nahe am Puls des täglichen Geschehens zu sein.

 

Um noch besser den gestiegenen Bedarf an Alphabetisierungskursen gerecht zu werden, wird an den InteA-Schwerpunktschulen pro vier Klassen eine Klasse als Alphabetisierungsklasse mit 12 Seiteneinsteigern eingerichtet. Außerdem wird es über die bereits eingeleiteten Maßnahmen hinaus ein von Experten erstelltes „Qualifizierungs- und Fortbildungsprogramm zum Unterricht von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache“ für Lehrkräfte geben, das auch weitere Beratungsangebote hinsichtlich des Umgangs mit Traumatisierung beinhaltet.

 

Und schließlich werden den Staatlichen Schulämtern weitere finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Für die regionale Qualifizierung der Lehrkräfte im Bereich der Alphabetisierung stehen ab sofort über die hessenweiten Weiterbildungsprogramme hinaus 400.000 Euro zusätzlich zur Verfügung. Über die Lehrmittelfreiheit hinaus kommen den Schulen rund 380.000 Euro direkt zu Gute, um damit die Sachausstattung von Deutschfördermaßnahmen weiter zu verbessern.

Kontakt Pressevertreter
Pressesprecher: Stefan Löwer
Telefon: +49 611 368 2006
Fax: +49 611 368 2096
Email: pressestelle@hkm.hessen.de

Hessisches Kultusministerium
Luisenplatz 10
65185 Wiesbaden

Hessen-Navigator

Wie können wir Ihnen helfen? Geben Sie einen Suchbegriff ein.

SERVICE